Leseprobe aus: „DIE ODYSSEE DER VIGILANTEN“

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Von der Spitze des Kuppelturms der Mondbasis bot sich Victor ein ungestörter Blick auf das sonnenbeschienene Tarvia. Mit jedem Tag, den er und der Marshal auf ein Zeichen ihrer Freunde warten mussten, schwand allerdings seine Hoffnung ein bisschen mehr, Next jemals wieder verlassen zu können. Seit Wochen belagerte die Kriegsmaschinerie der Menschen den grünen Mond, und es war utopisch zu glauben, dass sie freiwillig wieder abzogen, bevor die alten Machtverhältnisse wiederhergestellt waren. Victor und Keokk waren zwar deklarierte Gäste der Hones, aber genau genommen waren sie Gefangene, denen es gestattet war, diesen Turm zu besuchen, in der Kombüse abseits der stets bewaffneten Hones zu speisen oder die im Überfluss verfügbare Zeit in ihrem gemeinsamen Quartier totzuschlagen. Alle anderen Trakte der Basis waren für sie gesperrt, und stets behielten die Hones die beiden Vigilanten im Auge.

Selbst Block bekamen sie nur äußerst selten zu Gesicht. Ihr ehemaliger Weggefährte war sehr beschäftigt und legte großen Wert darauf, dass die anderen Hones seine Loyalität zu Vega nicht in Frage stellten. Entsprechend vermied er es, seine Freunde übertrieben oft zu besuchen, zumal er als Rebell dringendere Pflichten wahrnehmen musste. Auf Dauer war all dies für Victor und den Markkisianer ein nur schwer auszuhaltender Zustand. Sie saßen in einer Falle, doch immerhin schwebten sie im Gegensatz zu ihren Freunden derzeit nicht in unmittelbarer Gefahr. Doch dies konnte sich schnell ändern.

 

Je nachdem, wie weit entfernt die belagernden Kriegsschiffe ihre Bahnen um den grünen Mond zogen, waren sie entweder als wandernde Lichtpunkte oder als mit bloßem Auge klar erkennbare Miniaturen auszumachen. Dort oben kreisten auch Troop Carrier, bemannt mit Leuten, die Victor früher als Kameraden bezeichnet hätte. Inzwischen behielten sie einen Feind im Auge, zu dem jeder gehörte, der freiwillig in der Gesellschaft der Hones von Next weilte.

Der Ex-Söldner wurde es allmählich Leid, untätig herum zu sitzen und die Tage zu zählen. Es war nicht nur die bloße Warterei, die in nicht zur Ruhe kommen ließ. Menschen, die ihm sehr wichtig waren, trieben sich weit, weit vom tarvianischen System entfernt herum und riskierten ihr Leben. Und Victor konnte nichts ausrichten. Er dachte oft an Alice und Ulysses, und hoffte, dass wenigstens Havoc halbwegs in Sicherheit war. Victor blieb nur die Spekulation, denn auch die Netzwerke der Hone-Rebellen vermochten es nicht, ihn mit neuen Informationen zu versorgen.

Der Kuppelturm ragte nur fünf Meter über dem Boden einer steinigen Wüste heraus. Die Panoramafenster waren lang und sehr schmal, als wären es Schießscharten. Zwei Hones wachten permanent auf der Plattform des Turmdachs, suchten mit Feldstechern ständig die öde Ebene nach möglichen Feinden ab. Eine schmale Metalltreppe schlängelte sich im Zickzack auf der Innenmauer des Turms bis zu der Plattform. Victor hörte, wie Tritte auf der Treppe ihre schmalen Stufen leicht erzittern ließen. Jemand kam zu ihnen hinauf, doch es war kein Hone.

„Der Marshal.“, dachte Victor, der dem Treppenabsatz abgewandt stand.

Er behielt Recht.

Schon trat eine Gestalt in den Raum, grüßte brummend die Hones und krächzte mittels des Translators: „Du wirst nicht müde, deine Welt anzustarren, was?“

Victor wandte sich dem Marshal halb zu, den rechten Ellbogen weiterhin auf dem schmalen Sims des Fensters gestützt. „Es ist das Einzige, was ich hier anstarren kann.“

Marshal Keokk schlenderte zu ihm herüber. Dann spürte Victor die klopfende Pranke des Markkisianers auf seiner linken Schulter. „Sie werden zurückkommen und uns abholen.“

„Und dann?“

„Dann kämpfen wir. Was besser ist, als ständig darauf zu warten.“

Victor fiel ein, dass Marshal Keokk am frühen Morgen ein längeres Gespräch mit Vega gehabt hatte und sprach seinen Freund darauf an.

Der Marshal senkte seine Stimme, damit die beiden Hones sie nicht belauschen konnten. Doch die waren ohnehin auf ihre Aufgabe konzentriert.

„Vega weicht nicht von seinem Entschluss ab. Er will abwarten. Die Gloom–Bedrohung interessiert ihn nicht.“

„Glaubst du ihm das?“

Marshal Keokk blickte verstohlen zu den Hones, schüttelte den Kopf: „Er erwartet Verstärkung von weiteren Hone-Verbänden, die auf dem Weg hierher sind.“

„Noch mehr Hones? Next wimmelt doch bereits von ihnen; fast das gesamte Kontingent der tarvianischen Hone-Troops ist hier bereits versammelt.“

„Eine Viertelmillion, um exakt zu sein. Die Hones, die noch kommen werden, stammen aus Markkis IV und I – fünfzigtausend Mann.“

Beinahe hätte Victor laut gezischt. „Fünfzigtausend? Was hat er mit ihnen vor?“

Marshal Keokk antwortete nicht, sondern nickte nach vorne durch die Scheibe, wo Tarvia lag.

Victor verengte seine Augen. „Er will Tarvia angreifen?“

„Mir gegenüber hätte er das nie zugegeben. Die Regierung rechnet überhaupt nicht damit, sondern denkt, dass Vega jede Hone-Division mit seiner Idee unterwandern möchte, die noch nicht in die Rebellion involviert ist, um sie nach Next zu locken und um den Mond weiter zu halten.“

Nachdenklich blickte der Söldner auf den Planeten. „Stattdessen setzt er im Machtzentrum an, mit all seinen Truppen. Dann hat er ganz gewiss Tronic City ins Auge gefasst.“ Er staunte über seine eigene Feststellung.

Marshal Keokk sah ihn ernst an. „Gestern hat die Astroflotte eine weitere Hone-Division abgefangen. Diese wird es nicht mehr nach Next schaffen. Ich fürchte, dass die Menschen allzu siegessicher sind. Sie denken, sie müssen nur noch die Rebellion auf Next eindämmen. Aber sie irren sich gewaltig.“

„Glaubst du, dass sie dies schon bald umsetzen wollen? Das wäre fatal und würde Tarvia schwächen.“

„Es wäre ein ungünstiger Zeitpunkt. Sieh doch, im Licht von Tarvia fliegen immer mehr Schatten umher. Etwas braut sich dort zusammen.“

Victor folgte dem Blick des Markkisianers. „Ob womöglich unsere Leute zurückkehren?“

„Das wäre zu wünschen.“ Keokk nickte zu den Hones und murmelte: „Hier geschieht nämlich vorläufig gar nichts mehr.“

Sie beendeten ihre verschwörerische Unterhaltung und verließen den Ausguckposten. Letztlich blieb es nur Spekulation, was Vega als Nächstes plante. Doch die Zeichen häuften sich, dass im Untergrund etwas schwelte und in nächster Zeit ausbrechen würde.

 

Victor und der Marshal hatten lange genug als Soldaten gedient, um zu durchschauen, was die Stellare Flotte beabsichtigte. Next sollte solange belagert werden, bis die Hones keinen Proviant mehr hatten. Die Basen und Festungen auf dem Mond waren weitestgehend von ständiger Lieferung von anderen Welten abhängig. Selbst die Plantagen auf Next würden bei Weitem nicht ausreichen, um so viele Hones dauerhaft mit Nahrung versorgen zu können. Spätestens dann wollte man den Druck auf Next erhöhen und die Befreiung der Geiseln erneut einfordern. Wenn dies nicht half, würden die Menschen zum Angriff übergehen. Doch der Marshal erwähnte Gerüchte, dass wohl die TC Eco, bis auf den letzten Platz mit Hones voll besetzt, unterwegs nach Next war. Victor frohlockte innerlich, als er davon erfuhr. Auf der Eco hatten Havoc und er lange Zeit gedient und es erschien ihm wie ein gutes Zeichen, wieder von dem Troop Carrier zu hören.

Völlig unerwartet traf später an diesem Tag ein anderer Troop Carrier auf Next ein, der das douisianische Hone-Korps vom Gefängnisplaneten aus durch die Kontrollpunkte des Tarvia-Systems ungehindert transportiert hatte. Das Oberkommando um Admiral Ameson war darüber fast mehr empört als über ihr eigenes Versäumnis, diesen Carrier rechtzeitig aufzuhalten. Stimmen wurden laut, die der Kolonie von Douis unterstellten, dem Troop Carrier absichtlich den Flug nach Next gewährt zu haben, was man von offizieller Seite jedoch vehement zurückwies. Auf diese Weise stießen weitere Hone-Verbände zu den Rebellen hinzu. Allmählich schwanden Victors und Marshal Keokks Zweifel darüber, dass Vega ein unmöglich zu erreichendes Ziel verfolgte.

 

Die beiden Vigilanten waren auf dem Weg zur Kombüse der Basis, die in einem unterirdischen Trakt am Fuße des Turms lag. Plötzlich ging der rote Alarm los. Sofort setzte überall Hektik ein. Hones rannten die Korridore entlang, eilten in die Waffenkammern, um sich für einen Ausfall zu rüsten. Zunächst sah alles danach aus, als ob die Astroflotte im Begriff war, Next anzugreifen.

Ein Hone-Sergeant hielt auf Victor und Marshal Keokk zu, die ratlos in der Nähe der Speisesäle stehengeblieben waren. Er befahl ihnen, sofort auf ein Gespräch mit Vega mitzukommen. Den beiden Freunden schwante Böses.

„Wer greift uns an, Sergeant?“, fragte Victor scharf.

„Folgen Sie mir bitte und hören Sie auf mit den Fragen. Der offene Krieg hat begonnen.“

Verdutzt tauschten die beiden Vigilanten Blicke aus. Sie folgten dem Hone über eine Flucht von Gängen. Durchgehend heulten die Alarmsirenen. Victor und Marshal Keokk mussten davon ausgehen, dass Tarvia wohl mit seiner Geduld am Ende war, und dass die baldige Ankunft der douisianischen Hones den Ausschlag gegeben hatte, einen Überraschungsangriff zu wagen. Allerdings wunderte es Victor, dass die Astroflotte es dadurch unweigerlich in Kauf nahm, die menschlichen Geiseln auf Next in Gefahr zu bringen.

Die Beunruhigung wuchs in Victor als er bemerkte, dass der Hone sie nicht zu den Privaträumen des Hone-Anführers brachte, sondern zur Kommunikationszentrale. Sie rauschten hinein und fanden sich im Zentrum eines Orkans aus gebrüllten Befehlen, Warnmeldungen und dahin geschmetterten Codes, die festgelegte taktische Aufstellungen der Hone-Verbände anordneten. Inmitten der Hone-Leiber, die über schmale Metallpulte gebeugt hockten und Radars und schriftliche Eilmeldungen ablasen, stand Vega; beide Hände hinter seinem Rücken verschränkt. Stumm und sehr ernst blickte er schon von weitem auf den herannahenden Hone, der Victor und den Marshal im Schlepptau hatte. Irgendetwas beschäftigte ihn, das auf noch nicht nachvollziehbare Art mit den Vigilanten zu tun haben musste.

Als sie näher kamen, erkannte Victor, dass Vega hinter einem Funker stand, der auf seinem Display eine verzerrte Signalkurve immer wieder abspielte. Ein kleiner, quadratischer Lautsprecher, der daneben in das Pult eingelassen war, verstärkte das Signal. Schlagartig gefror Victor das Wasser in den Adern. Marshal Keokk malmte mit den Kiefern.

Es war das Störsignal der Glooms.

Vega musterte sie prüfend. „Kennt ihr dieses Signal? Es ist auf allen Kanälen. Wir empfangen nichts anderes mehr. Ist das eine Teufelei der Astroflotte?“

Victor starrte auf die Signalkurve. „Das stammt weder von unserer Flotte, noch von anderen Organisationen der Menschen.“

„Tut es das nicht? Es muss zu einem Plan der Astroflotte gehören, unsere Kommunikation zu sabotieren. Vorsorglich habe ich daher roten Alarm auslösen lassen. Oder ist es etwa ein Signal der Vigilanten?“

„Nein, Vega. Du verstehst nicht recht. Das ist ein außerirdisches Signal, das wir leider nur zu gut kennen. Das sind die Glooms und es bedeutet, dass sie ganz in der Nähe sind.“

„Du lügst mich nicht an, Captain?“

„Nein. Aber wenn wir nicht sofort reagieren, sterben wir alle.“

„Weswegen?“

„Die Glooms schicken dieses Signal immer ihren Angriffen voraus. Ihre Feuerkraft ist beängstigend. Ihr werdet euch schwertun, sie abzuwehren. Und wenn dies die Vorankündigung ihres Mutterschiffes ist, wird die gesamte Astroflotte hinweggefegt werden.“

„So stark sind sie also? Wie sollen die Hones dann überhaupt der Bitte der Astroflotte nach Beistand in ihrem Krieg nachkommen? Wir haben nicht genügend Schiffe oder Kampfgleiter.“

Victor machte ein grimmiges Gesicht. „Ihr Angriff wird sich nicht auf den Weltraum beschränken. Sie werden hier und auf Tarvia landen. Falls sie zahlreich genug sind, werden sie alles überrennen. Jetzt geht es mir richtig schlecht, denn ich kann nicht ermessen, was meinen Freunden zugestoßen sein muss, wenn sie die Glooms nicht aufhalten konnten.“

Marshal Keokk drängte: „Erlaube uns, mit euch gegen die Glooms zu kämpfen, wenn sie hier landen. Wir müssen mit vereinten Kräften kämpfen oder wir gehen unter.“

Vega schüttelte entschieden den Kopf. „Ich werde keinen Finger für die Menschen rühren.“

Victor konnte es nicht fassen, wie stur Vega war. „Das ist unerheblich, Vega! Die Glooms töten alles. Einfach alles!“, ereiferte er sich.

„Dies ist eine Aufgabe für die Astroflotte. Wir halten hier die Stellung.“

„Ihr solltet besser euren Orbit im Auge behalten und nach ihnen ausspähen. Eure Sucher funktionieren ebenso wenig, wie die Überwachungsanlagen der Flotte. Beide seid ihr jetzt blind und wehrlos.“

Vegas Augen blitzten. „Nicht ganz, Victor Croke. Die Kommunikationsverbindungen zwischen sämtlichen Wachstationen auf Next verlaufen unter der Mondoberfläche. Und meine Brüder halten sie intakt. Das Signal der Glooms dringt nicht bis dorthin durch. Im Bereich unseres Mondes können wir uns immer noch alle verständigen.“

Victor seufzte erleichtert auf. „Sehr gut! Dann verständige dich mit deinen Truppen. Sie sollen genau beobachten, was im All geschieht. Irgendetwas muss dort im Gange sein.“

Vega erteilte Befehle. Schon wenige Minuten später meldeten alle Stationen, die auf der dem Planeten Tarvia zugewandten Seite des Mondes lagen, dass an die Tausend violette Lichtpunkte zu sehen waren. Die Lichter waren plötzlich aufgetaucht und wurden von einem riesigen Schatten angetrieben, der dicht hinter ihnen folgte. Sie erspähten auch ein, zwei tarvianische Kriegsschiffe, die auf diese Erscheinung zuhielten und erste Salven abfeuerten.

Victor und Marshal Keokk standen neben Vega am Funk-Terminal und verfolgten fieberhaft die Ereignisse. Das Störsignal herrschte immer noch vor. Vega konnte nur beobachten, aber keinen Angriff gegen die Glooms formieren. Das lag auch überhaupt nicht in seiner Absicht.

„Das wird interessant, zu sehen, wie diese Schlacht ausgeht.“

Victor musste darauf etwas entgegnen. „Das ist kein Schaukampf, verflucht! Die Glooms werden sie alle vernichten.“

Vega sagte nichts, horchte auf die eingehenden Meldungen seiner Hone-Posten. Demzufolge tauchten immer mehr violette Lichter auf, die den heran schwirrenden Schiffen der Menschen grelle Blitze entgegen schleuderten. Wann immer sie Explosionen beobachten konnten, ereigneten sich diese ausschließlich in den Reihen der Astroflotte. Für Victor war es eine äußerst bittere Genugtuung, Zeuge davon zu werden, dass er Recht behalten hatte. Die Astroflotte hatte keine Chance.

Die Art der eingehenden Nachrichten änderte sich. Auf einmal war Vega äußerst angespannt. „Wiederholen Sie, Jackknife!“, befahl er scharf und meinte damit einen Hone-Posten im Norden von Next, der einen ausgezeichneten Blick auf Tarvia hatte.

Auch die Vigilanten spitzten die Ohren.

„Eine große Gruppe violetter Lichter hat sich vom restlichen Schwarm gelöst. Sie halten direkt auf Next zu. Und sie bewegen sich verdammt schnell!“

Vega wandte sich an Victor, der seinem Blick nicht auswich und den Kommandanten von Next murmelnd fragte: „Glaubst du mir jetzt, großer Hone-Führer?“

 

Vega reagierte sofort; allerdings nicht auf die Weise, wie es die beiden Vigilanten erhofft hatten. Er befahl augenblicklich allen Hones, die im Orbit patrouillierten, zu ihren Forts auf der Mondoberfläche zurückzukehren. Der Troop Carrier aus Douis verweilte auf der Rückseite von Next und sollte vorerst im Mondschatten bleiben. Dann verlangte Vega, dass sämtliche, aus der Luft sichtbaren Basen ihre Schleusen und Tore öffnen sollten. Die dort stationierten Hones erhielten außerdem den Befehl, sich so weit wie möglich in die Basen zurückzuziehen. Vereinzelt ließ Vega Stützpunkte komplett räumen, aber nur diejenigen, die klein und mit überschaubarer Anzahl von Hones bemannt waren. Diesen Soldaten befahl er, im Umkreis der Basen ein geeignetes Versteck aufzusuchen.

Victor wurde schnell klar, was Vega im Schilde führte. Der Rebellenführer setzte die Taktik der offenen Stadttore durch. Er wollte, dass der Feind sich erst an Material verausgabte und sich in Sicherheit wog. Erst dann wollte er zurückschlagen.

Next war das ideale Terrain dafür. In vielen Zonen gab es Minenfelder und versteckte Geschützanlagen, die im rechten Moment die Glooms überrumpeln sollten. Außerdem verstärkte der Rebellenführer durch diese Taktik den Druck auf die Streitmacht der Astroflotte und der menschlichen Astrotroops, welche auf Next die noch verbliebenen, recht überschaubaren Zonen der Menschen verteidigten. Diese Gruppen würden gezwungen sein, vollständig gegen den herannahenden Feind auszurücken. Dadurch bot sich für Vega die Chance, die Kontrolle über weitere Gebiete auf dem Mond zu erlangen. Zuvor mussten allerdings die anrückenden Glooms geschlagen werden, um diesen Zustand tatsächlich herbeiführen zu können.

Der Rebellenführer war davon überzeugt, dass die Menschen Next bewusst aufgeben würden, da Tarvia wichtiger war. Dadurch wären viele Einheiten der Astroflotte zwangsläufig in die Kämpfe gegen die Glooms eingebunden.

Victor und sein Freund mussten Vega wohl oder übel gewähren lassen. Immerhin erlaubte er ihnen, an ihrer Seite zu kämpfen. Eilig statten die Hones auch die Vigilanten mit Raumanzügen, Pistolen und Gewehren aus. Gemeinsam mit Vega und seinem Trupp traten sie den Rückzug in die tieferen Ebenen der Basis an. So viele Hones umringten Victor und Marshal Keokk, dass sie sich beinahe siegessicher wähnten. Aber sie hatten nicht den Kampf auf der Tide vergessen. Es mochte sein, dass die beiden Vigilanten heute zum letzten Mal in den Krieg zogen und ihre Freunde nie wieder sahen.

 

Die WS Helios hatte seit Wochen den Mond der Hones aus nächster Nähe bewacht, doch nun verließ es den Orbit, um einem Schwarm unbekannter Flugobjekte entgegenzutreten. Auch drei Jet Carrier, zwei Troop Carrier und ein halbes Dutzend Kundschafter der Astroflotte gesellten sich zur Helios und bildeten einen weit aufgefächerten Halbkreis, an dessen Spitze das graue Kriegsschiff flog. Next lag in ihrem Rücken und stand nicht länger im Mittelpunkt. Durch die anhaltende Funkstörung ihres Kontakts mit dem Oberkommando beraubt, organisierten sie rasch eine bestmögliche Verteidigungsstrategie. Die Umstände sorgten nicht unbedingt dafür, dass die Soldaten auf den Schiffen sich besonders erhaben fühlten. Zu wissen, dass sie den Glooms an Beweglichkeit und Feuerkraft unterlegen zu sein drohten, trieb den befehlshabenden Offizieren kalten Schweiß auf die Stirn. Die Furcht erreichte einen ersten Höhepunkt, als der Funkkontakt zu den anderen Schiffen vor Tarvia vollends abbrach. Ein grässlich schrilles Signal verzerrte die Kanäle und legte das Kommunikationsnetz lahm.

Eine grausig anmutende Wolke aus violetten Lichtern flog auf die Schiffe zu, dessen Ausmaße große Besorgnis bei den Kriegsschiffen auslöste. Von der Helios und den Jet Carrier starteten sämtliche Kampfgleiter und flogen auf den herannahenden Schwarm zu. Erste Blitze zuckten durch den Raum und zerstörten die ersten Pentas. Der Krieg gegen die Glooms hatte begonnen.

Es dauerte keine halbe Stunde, bis die Schiffe über Next in arge Bedrängnis durch die umzingelnden Gloom-Schiffe gerieten. Ein zweiter violetter Flügel, der wesentlich größer war und den ein riesiges Mutterschiff begleitete, hielt auf Tarvia zu. Von dort konnten die Helios und ihre Verbündeten nur dürftige Verstärkung erwarten. Dabei hätten sie dringend Unterstützung benötigt. Ein Teil des Gloom-Schwarms wich in großem Bogen dem zahlenmäßig weit unterlegenen Geschwader aus, das von Next heran geflogen kam, und hielt direkt auf die Oberfläche des Mondes zu. Die Helios-Formation musste dies ohnmächtig mit ansehen, da sie selbst in heftige Gefechte verstrickt wurden. Es waren einfach zu viele, um sie allesamt ernsthaft aufhalten zu können.

 

  • ENDE DER LESEPROBE –

 

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